Dicht gedrängte alte Baumgruppen, kreuz und quer liegende morsche Stämme,
junge Fichten, meterhohe Farnvegetation, zahlreiche Kuppen, Furchen und Senken
- Bäume, die mit ihren Wurzeln den Stein umklammern: Urwald in der Schweiz! Der
zwölftausendjährige Bödmerwald steht im Wildromantischen Muotal über dem Höhlensystem
Hölllochs. Menschen sind seltene Gäste. Das Waldreservat wächstauf einer einzigartigen
Karstunterlage. Die aussergewöhnlichen meteorologischen und klimatischen Verhältnisse
geben den Bäumen ihr ganz besonderes Gepräge. Wegen der reichen Schneelage haben sich
schmalkronige Baumformen entwickelt, die extreme Schneelasten standhalten. Vertraut
man mit dem Urwald ist der Schweizer Kantonsförster Theo Weber: Der Mensch hat dieses
Waldstück noch nie stark verändert. Er sieht also noch aus wie wenn man ihn in Ruhe gelassen
hätte., sagt er. Ähnlichdefiniert Waldfachmann Markus Bolliger den Begriff Urwald für
mitteleuropäische Verhältnisse: Urwälder sind Wälder, die vom Menschen nicht wesentlich
verändert worden sind. Gemäss dem Landesforstinventar beträgt die Naturwaldfläche
der Schweiz insgesamt 33400 Hektaren, das sind 2.7 Prozent der Gesamtwaldfläche. Ziel der
nationalen Forstpolitik ist es, dass in der Schweiz 10 Prozent der Waldfläche als Waldreservat
ausgeschieden sind. Die Kantone sind aufgefortdert (Waldgesetz von 1993) bis Ende dieses Jahres (2001)
dem Bund ein Konzept für die Kantonswaldfläche zu unterbreiten