Der Wald - ein funktionierendes System
Wir durchstreifen die Wälder zu jeder Jahreszeit. Im Frühjahr freuen wir uns über das
Erwachen der vielen Frühblüher, das Hervorbrechen des frischen Laubes; im Sommer geniessen wir
die Kühle im Schatten des mächtigen Kronendaches. Der herbstliche Laubwald bringt bunte Farben
in allen Abstufungen hervor; im Winter beeindrucken uns die Stille und oft auch die Verzauberung durch
den Schnee. Viele Menschen unserer Zeit suchen in den Wäldern Ruhe, Entspannung und Erholung. Ohne
Wälder wäre unser Leben um vieles ärmer. Jeder Wald bildet für sich eine geschlossene
Lebensgemeinschaft. Sie umfasst alle Pflanzen und Tiere, die innerhalb dieses Lebensraumes vorkommen,
von den Bäumen bis zum kleinsten Bakterium in der Erde, vom Reh, dem Hasen bis zur winzigen
Blattlaus an den Zweigen der Nadelbäume. Die vielfältigen Beziehungen zwischen den Lebewesen
in dieser Lebensgemeinschaft und ihre gegenseitige Abhängigkeit sind kompliziert und nur
schwer durchschaubar. Wir wollen versuchen, einige Einblicke in den Aufbau dieser Lebensgemeinschaft
und in die gegenseitige Abhängigkeit ihrer Lebewesen zu gewinnen.
Vom Aufbau des Waldes
Die Abbildung zeigt uns einen Ausschnitt aus einem natürlichen Wald. Wir empfinden dieses Waldbild als
etwas Ausgeglichenes, Wohltuendes. Woran mag das wohl liegen? Vereinzelte junge Bäume stehen neben alten,
schlanke neben dicken, kleine neben grossen. Die Vielfalt der Formen belebt das Bild. Es mag uns vorerst
schwerfallen, eine Ordnung innerhalb des Ganzen zu erkennen. Bäume prägen das Bild des Waldes. Sie
herrschen eindeutig vor und schaffen die Bedingungen, denen sich die übrigen Pflanzen anpassen müssen.
Auf den kräftigen, säulenartigen Stämmen ruht das mächtige Kronendach, das im vollen Lichte
steht, das aber auch die Wucht des Regens und des Sturmes bricht.
Die hohen Nadel- und Laubbäume bilden die Baumschicht. Wo das Kronendach genügend Licht durchlässt, vermag sich eine Strauchschicht, in der auch der Jungwuchs der Waldbäume vertreten ist, zu entwickeln. Die Krautschicht gedeiht dort üppig, wo die
Strauchschicht nicht allzu dicht und der Boden an Nährstoffen reich ist. Die Moosschicht schliesslich
erhält am wenigsten Licht.
Moospolster und Moosdecken bieten zahlreichen Kleintieren Schlupfwinkel. Der Waldboden wird von den verschiedenen
Pflanzen ungleich erschlossen. Moose, Pilze und Sauerklee haften an den obersten Schichten, dem Mull, der verwesende
Blätter und pflanzliche Reste enthält, die zu Humus zersetzt werden. Kräuter und Farne wurzeln in den
obersten Humusschichten. Kleine und grosse Fichten breiten ihre Wurzeln flach aus. Tief in die Erde dringen dagegen
Buchen, Weisstannen und Eichen.
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