06/03/2001 Brüssel/Zürich Waldschutz in Europa schlecht verwurzelt
Was haben der schiefe Turm zu Pisa und die Wälder Europas gemeinsam? Beide sind unermessliche Kulturschätze - beide sind aus dem Gleichgewicht. Der neueste WWF-Report zum Schutz der Wälder in Europa, der heute in Brüssel vorgestellt wurde, beweist: Europa und die Schweiz sind schlechte Vorbilder für den Rest der Welt.
Der Waldschutz in Europa ist völlig ungenügend. Nur etwas mehr als sechs Prozent der Wälder sind wirkungsvoll geschützt. Und nur gerade jeder zweite der besonders wertvollen Wälder steht unter Schutz. Die Schweiz, die sich selber gerne als Musterknabe im Naturschutz sieht, macht selbst im europäischen Vergleich eine schlechte Falle. Die Urwälder sind praktisch zerstört, ein einziges, mickriges Prozent der schweizerischen Waldfläche gilt heute als Naturreservat (zum Beispiel Nationalpark).
Wie in der Schweiz repräsentieren die geschützten Wälder Europas nicht die Vielfalt der Waldtypen. Die unproduktiveren Bergwälder scheinen besseren Schutz zu geniessen. Wälder im Flachland mit reichen Böden jedoch sind schutzlos. "Die geschützten Wälder sind meist nicht nach ökologischen, sondern ökonomischen Kriterien ausgewählt", sagt Damian Oettli, Leiter der WWF-Waldkampagne.
Der umfassende Report zeigt deutlich: Der mangelhafte Schutz der Wälder in Europa gefährdet 40% aller Vogel- und Säugetierarten des Waldes. Typische Bewohner wie Braunbär, Luchs und Wolf sowie Eulen- und Spechtarten sind in Europa selten geworden.
Der WWF fordert darum heute die europäischen Regierungen auf, dem Waldschutz die nötige Beachtung zu schenken. 1998 hat der Bund ein hervorragendes Konzept vorgelegt, um die Situation in der Schweiz entscheidend zu verbessern. Ziel ist, eine geschützte Waldfläche von rund 15 Prozent. Bis heute ist es Bundesrat Moritz Leuenberger aber nicht gelungen, die Kantone in die Pflicht zu nehmen. Im Gegenteil, diese torpedieren jegliche Verbesserung. Das ist unnötige Trödelei auf Kosten der Schweizer Wälder.

Von: http://www.wwf.ch